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Bewertung

Feudum Septennial Edition (engl.)

Bewertung von Pascal V. aus Kottgeisering
02.04.2026

Review-Fazit zu „Feudum“, einer epischen Reise durch ein mittelalterliches Ökosystem.

[Infos]
für: 2-5 Spieler
ab: 12 Jahren
ca.-Spielzeit: 80-180min.
Autor: Mark K. Swanson
Illustration: Justin Schultz
Verlag: Odd Bird Games
Anleitung: englisch
Material: sprachneutral

[Download: Anleitung/Übersichten]
engl., span., frz., ital., dt., poln., holl., russ., chin., griech., ung., port., bulg., norw.: [Link Entfernt]
engl., dt.: [Link Entfernt] (s. u.)

[Fazit]
Wenn man „Feudum“ auf den Tisch legt, entfaltet sich kein gewöhnliches Brettspiel, sondern ein ganzes Königreich – ein seltsam verschrobenes, wunderschön illustriertes und gnadenlos verzahntes Ökosystem, das seine Spieler in eine mittelalterliche Welt voller Gilden, Lehen, Monster, Hungersnöte und ökonomischer Abhängigkeiten wirft. Die Geschichte beginnt mit einem Schlag ins Gesicht. Die Spieler wurden zu Unrecht verbannt, enteignet und mit kaum mehr als ein paar Schillingen und etwas Unrat in die Fremde geschickt. Doch statt zu verzweifeln, machen sie sich auf, den Ruf wiederherzustellen – sei es durch harte Arbeit, geschicktes Wirtschaften oder skrupellose Machtspiele.

Diese Prämisse ist nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern durchdringt das gesamte Spielgefühl. Feudum ist ein Sandbox-Spiel im besten Sinne. Es zwingt einen nicht in eine bestimmte Rolle, sondern lässt die Spieler frei entscheiden, ob sie als Bauer das Land bestellen, als Ritter kämpfen, als Händler die Wirtschaft dominieren oder als Alchemist dunkle Wissenschaften vorantreiben. Jede dieser Figuren existiert tatsächlich physisch – als Seite eines der drei Figurenwürfel, die man nicht würfelt, sondern bewusst mit der gewünschten Charakterseite nach oben auf das Spielfeld setzt. Schon dieser Mechanismus zeigt, wie „Feudum“ tickt, alles ist Entscheidung, nichts ist Zufall.

Der Ablauf einer Partie gliedert sich in fünf Epochen, die jeweils aus mehreren Runden bestehen. In jeder Runde wählt man geheim vier der elf eigenen Aktionskarten – ein System, das an „Brass“, „Concordia“ oder „Terraforming Mars“ erinnert, aber durch die enorme Vielfalt der Karten und ihre Wechselwirkungen eine ganz eigene Tiefe erreicht. Jede Karte erlaubt eine Kernaktion wie Wandern, Bewegen, Ernten, Ausbauen oder Erobern. Doch im erweiterten Spiel – das eigentlich die wahre Form von „Feudum“ ist – besitzt jede Karte zusätzlich eine Spezialaktion, die nur dann aktiviert werden kann, wenn die passende Figur im Spiel ist oder die richtige Ressource eingesetzt wird. Dadurch entsteht ein ständiges Abwägen, welche Karten passen zur aktuellen Position? Welche Synergien kann man auslösen? Und wie verhindert man, dass die Gegner zuvorkommen?

Die Welt von „Feudum“ ist in sechs Regionen unterteilt – Meer, Inseln, Wald, Wüste, Ödland und Gebirge – und jede Region enthält Orte, die man beeinflussen, ausbauen oder erobern kann. Einflussmarker bestimmen, wer Fürst eines Ortes ist, wer nur Leibeigener bleibt und wer durch geschicktes Timing die Herrschaft an sich reißt. Der Ausbau eines Ortes – vom Außenposten zur Farm, von der Farm zur Stadt und schließlich zum Lehen – ist einer der zentralen Motoren des Spiels. Jede Verbesserung bringt nicht nur Siegpunkte, sondern auch Regionsplättchen, die als Jokerressourcen dienen und Epochenwechsel auslösen können. Diese Wechsel wiederum führen zu Wertungen, neuen Ressourcen auf dem Brett und manchmal zu bitteren Strafen, wenn man als Lehnsmann den militärischen Pflichten nicht nachgekommen ist.

Denn wer ein Lehen besitzt, wird automatisch zum Lehnsmann – ein Titel, der Ruhm bringt, aber auch Verpflichtungen. Man muss Eroberungen durchführen, um seine Loyalität zu beweisen. Tut man das nicht, hagelt es Minuspunkte, die sich über mehrere Epochen hinweg zu verheerenden Summen addieren können. Dieser Mechanismus zwingt selbst friedliche Spieler gelegentlich in den Konflikt und sorgt dafür, dass „Feudum“ nie zu einem reinen Optimierungspuzzle verkommt. Kämpfe sind dabei nicht zufällig, sondern folgen klaren Regeln. Figuren haben feste Angriffs- und Verteidigungswerte, Salpeter erhöht die Angriffskraft, Waffen verstärken die Würfel, und Lehen besitzen eigene Verteidigungsboni. Alles ist berechenbar – aber nur, wenn man den Überblick behält.

Und genau das ist die größte Herausforderung von „Feudum“. Die schiere Menge an ineinandergreifenden Systemen. Die sechs Gilden – Bauern, Händler, Alchemisten, Ritter, Adel und Mönche – bilden ein ökonomisches Kreislaufsystem, das so elegant wie komplex ist. Jede Gilde produziert oder verarbeitet bestimmte Waren und als Mitglied kann man ihre „Push“- und „Pull“-Funktionen nutzen, um Waren zu verschieben, zu handeln oder zu veredeln. Beherrscht man die richtigen Orte, steigt man in den Gilden auf, erhält Boni, zusätzliche Aktionen und wertvolle Siegpunkte. Doch während man sich auf eine Gilde konzentriert, verändern die Mitspieler den Warenfluss, blockieren Handelswege oder nutzen Fährschiffe, um einem zuvorzukommen. Das Spielbrett lebt – und man muss sich ständig anpassen.

Auch die Versorgung der Figuren ist ein ständiger Druckpunkt. Jede Runde müssen die Würfel mit Nahrung oder Wein ernährt werden. Tut man das nicht, verliert man Figuren oder muss wertvolle Ressourcen opfern. Gleichzeitig will man Ernten durchführen, Landschaften pflegen, königliche Erlasse sammeln, Monster bekämpfen, Schiffe einsetzen, die epische Reiseleiste erklimmen und die Aktionskarten optimal timen. „Feudum“ ist ein Spiel, das permanent fordert – nicht durch Zufall, sondern durch Entscheidungsdichte.

Was dieses Spiel jedoch wirklich einzigartig macht, ist seine Atmosphäre. Die Illustrationen sind eigenwillig, verspielt und voller kleiner Details, die das Königreich lebendig wirken lassen. Die Welt ist gleichzeitig märchenhaft und grotesk, humorvoll und düster. Die Monster – ein Behemoth und eine Seeschlange – wirken wie aus einem mittelalterlichen Manuskript entsprungen. Die Gilden sind liebevoll gestaltet, die Landschaftsplättchen erzählen kleine Geschichten, und selbst die Ressourcen – Holz, Eisen, Schwefel, Salpeter, Nahrung – fühlen sich thematisch stimmig an.

Doch all diese Schönheit täuscht nicht darüber hinweg, dass „Feudum“ ein Schwergewicht ist. Die Regeln sind umfangreich, voller Ausnahmen und Sonderfälle und die ersten Partien fühlen sich oft wie ein Überlebenskampf an. Oft ergeht es den Spielgruppen so, dass sie erst nach ein, zwei Partien wirklich verstanden haben, wie die Systeme ineinandergreifen und welche Strategien langfristig funktionieren. Doch wer diese Hürde nimmt, wird mit einem Spielerlebnis belohnt, das seinesgleichen sucht, ein episches, tiefes, hochgradig interaktives Strategiespiel, das jede Partie anders verlaufen lässt und immer neue Wege eröffnet, Punkte zu generieren.

„Feudum“ ist kein Spiel für Gelegenheitsspieler. Es ist ein Spiel für Gruppen, die bereit sind, sich gemeinsam in ein komplexes System einzuarbeiten, die Freude an verzahnten Mechanismen haben und die es genießen, langfristige Strategien zu planen, während sie gleichzeitig auf die Züge ihrer Mitspieler reagieren. Es ist ein Spiel, das belohnt, wenn man es mehrfach spielt – und das bestraft, wenn man es unterschätzt.

Am Ende einer Partie – nach fünf Epochen voller Entscheidungen, Konflikte, Ernten, Gildenaktionen und epischer Reisen – blickt man auf ein Königreich zurück, das sich organisch entwickelt hat. Man erinnert sich an die Momente, in denen man ein Lehen erobert hat, an die Runde, in der man zwei Bewegungsaktionen kombinierte, um die epische Reise voranzutreiben, oder an den Augenblick, in dem ein Gegner einem die perfekte Gildenaktion wegschnappte. „Feudum“ erzeugt Geschichten – nicht durch Zufall, sondern durch die Entscheidungen der Spieler.

„Feudum“ ist ein monumentales, wunderschönes und gnadenlos komplexes Strategiespiel, das eine enorme Lernkurve besitzt, aber dafür ein unvergleichliches Spielerlebnis bietet. Wer sich auf die Welt einlässt, entdeckt ein tiefes ökonomisches System, ein spannendes Gebietskontrollspiel, ein taktisches Aktionsmanagement und eine thematische Dichte, die ihresgleichen sucht. Es ist ein Spiel, das man nicht einfach spielt – man erlebt es.

[Note lt. Kompetenz-Team]
5 von 6 Punkten.
{gespielt von X, Pascal}

[Links]
BGG: [Link Entfernt]
HP: [Link Entfernt]
Ausgepackt: [Link Entfernt]

[Galerie: 5 Fotos (von Odd Bird Games)]
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